Wie viel Wasser mitnehmen und vor allem in welcher Form?
Auf Bergtouren habe ich ein Problem: Ich schwitze viel. Das ist doppelt misslich, denn erstens habe ich so ein deutlich höheren Wasserbedarf als Leute, die wenig schwitzen, ich muss also mehr zu Trinken mitschleppen. Bis zu drei Litern auf großer Tour. Und zweitens bedeutet viel Schwitzen auch feuchte Kleidung und damit auf Bergtouren häufig gleichzeitiges Schwitzen und Frieren im kalten Wind. Und oft nur noch Frieren, sobald ich stehenbleibe. Das schnelle Wechseln des nassgeschwitzten Unterhemds klappt auch nicht auf Hochtouren unter diversen Kleidungsschichten und dem Klettergurt. Kann man leider wenig machen.
Ich muss also viel zu trinken mitschleppen. Das ist ein entscheidendes Thema und es geht schnell um ein oder zwei Kilogramm mehr oder weniger im Rucksack.
Die einfachste, aber nicht immer die beste Lösung: Genug Trinkflaschen mitnehmen. Es reicht ja, wenn ich sie auf der Hütte auffülle.
Teewasser, oder wie es in der Schweiz schon immer und neuerdings auch in den Ostalpen immer öfter heißt, Marschtee, ist häufig beim Hüttenfrühstück dabei. Wo es keine große Teekanne für alle gibt, kann man in Bayern und Österreich Teewasser verlangen, also kochendes Wasser, das die Hütten für wenig Geld abgeben (manchmal auch nur für Mitglieder des Alpenvereins, aber so genau fragt dabei niemand).
Man kann sich das Teewasser schon am Vorabend auf der Hütte einfüllen. Teebeutel lassen sich mit wenig Aufwand von zu Hause mitbringen. Wenn die Tour aber kalt wird und hoch hinaufführt, warte ich bis zum Morgen mit dem Teewasser. Wer früher aufbricht als viele Ostalpenhüttenwirte das vorsehen, kann sich für den Frühstart eine Thermosflasche mit heißem Wasser oder Kaffee bereitstellen lassen.
Eine Thermosflasche nehme ich nicht auf Tour mit, außer bei Winterwanderungen, bei denen es nicht aufs Gewicht ankommt. Ansonsten sind mir Thermosflaschen zu schwer und zu sperrig für eine eher geringe Menge Tee. Ich habe stattdessen eine Nalgene-Trinkflasche, für die es bei Bedarf vom gleichen Hersteller einen zusätzlichen Wärmeschutz mit Aluinnenseite gibt – viel leichter als eine Thermosflasche. Notfalls wickelt man morgens die noch heiße Trinkflasche in eine Fleecejacke oder dergleichen ein in die Mitte des Rucksacks – hält auch ein paar Stunden warm, meist sogar bis zur Gipfelrast. Morgens, wenn es kalt ist, reicht mir der eine Liter für den Aufstieg. Die Hitze kommt meist erst im Abstieg, dafür sind dann die anderen ein bis zwei Liter, die nicht warm sein müssen.
Eine meiner Trinkflaschen ist auf langen Touren immer eine Weithalsflasche, mit großer Öffnung also: Das ist die, die ich morgens zuerst austrinke. Am Gipfel oder am Gletscher fülle ich dann Schnee hinein, der im Laufe des Tages schmilzt. Ein etwas mühsames Geschäft, kann aber trotzdem die Rettung sein.
Eine andere Möglichkeit sind die im leeren Zustand klein zusammenlegbaren Flaschen – habe ich zu Hause, nehme ich dennoch eher selten mit. Geschmacksfrage. Gefüllt sparen sie fast keinen Platz, sind aber etwas leichter als die Hartplastikflaschen und lassen sich besser in den Rucksack quetschen. Leer gehen sie dann kaum mehr im Weg um. Trotzdem bin ich skeptisch – wenn das mal in die Binsen geht, ist der halbe Rucksack überschwemmt.
Trinksysteme mit ihren Schläuchen aus dem Rucksack in den Mund sind en vogue, halte ich aber für überflüssig. Kommt vermutlich von den Trailrunnern, die unterwegs keine wertvollen Zehntel verlieren wollen. Auch im Fitnessstudio scheint es ja modern, ständig an Proteindrinks zu nuckeln. Brauche ich nicht. Eine lange Übungseinheit im Studio kann ich prima ohne Trinken überstehen. Gehört zum Training. Am Berg komme ich zumindest morgens locker einige Stunden ohne Trinken aus, ich muss nicht alle zwei Minuten am Schlauch zutzeln. Bei Kälte in großer Höhe wäre mir das Wasser im Schlauch ohnehin zu kalt und das Extragewicht des Trinksystems zu schwer.
Die Wasserflasche am Bergbach auffüllen? Wie oft lädt ein herrlich klarer Bach zum Trinken ein! Doch Vorsicht: Wenn darüber noch Kuh- oder Schafweiden liegen, und Schafe grasen manchmal bis nahe 3000 Meter Höhe, dann kann das gehörig schiefgehen. Magenkrämpfe oder Brechdurchfall drohen.
Bei Schmelzwasser aus einem Firnfeld oder Gletscher wird das aber kein Problem sein. Dafür ergibt sich ein anderes: Schmelzwasser ist im Prinzip oft destilliertes Wasser, es entzieht dem Kreislauf wertvolle Stoffe. Dafür lohnt sich ein isotonisches Pulver aus dem Drogeriemarkt, das man schon vorab in die Trinkflasche geben kann. Ich nehme auf Hochtour auch Maltodextrin mit, im Prinzip reines Kohlenhydrat, das sich im Wasser auflöst und kaum Geschmack hat – eine sehr leicht verdauliche Energiebombe für unterwegs.
Und auf ganz großer Tour? Da kommt der Gaskocher in den Rucksack. Das erspart sogar Gewicht: Statt drei Liter Wasser plus dem Eigengewicht der Trinkflaschen nehme ich dann nur einen Liter Wasser mit. Dazu kommen Kocher und Topf und Gaskartusche mit zusammen nur wenigen hundert Gramm. Spart zusammen etwa 1,5 Kkg Gewicht, kostet aber Zeit, die man nicht immer hat. Auf dem Gipfel oder wenn immer ein paar Minuten Zeit ist, lässt sich damit Schnee schmelzen. Und es muss funktionieren, was sich ebenfalls nicht garantieren lässt. Eine Piezo-Zündung (Anzünden auf Knopfdruck), zur Sicherheit besser zusätzlich ein Feuerzeug, sowie ein Windschutz für die Flamme gehören dazu. Gute Sturmkocher wie die von MSR, Jetboil oder Soto sind da die erste Wahl – da ist der Windschutz bereits eingebaut, und manche bieten auch einen fix installierten Topf. Für ambitionierte Köche taugt das nicht, doch für Tee oder Tütennahrung ist ein Sturmkocher perfekt.
Ein Tipp zum Schneeschmelzen: Unten in den Topf or dem Kochen einen halben Zentimeter hoch Wasser aus der Trinkflasche einfüllen, sonst brennt der Topfboden an, bevor der erste Schnee geschmolzen ist. Und wenn alles Wasser verbraucht ist und der Gaumen vetrrocknet? Dann mag es helfen ein kleines Steinchen in den Mund zu nehmen. Worauf wir Speichel bilden und der Durst etwas nachlässt. Hoffentlich. Prost Mahlzeit!